Neuss

Stimmen zum Jugendforum Neuss:

„Das Problem in Sachen Rechtsextremismus ist Unwissen. Aber durch Bildung kann dies geändert werden. Und Jugendverbände leisten ihren Beitrag dazu. Hier lernen Kinder und Jugendliche sehr früh, was Extremismus ist, wie dafür geworben wird und was sie selbst dagegen tun können. Daher fordern wir mehr Geld für Bildung.“
Nora, 19

Mir ist die Situation von Flüchtlingen wichtig. Meine konkrete Forderung lautet, dass man alle Leute vorbehaltlos aufnimmt und sie nicht in unwürdige Situationen schickt. Aussagen, dass man sich um einen Menschen aus einem anderen Land nicht kümmern braucht, möchte ich nicht hören. Auch um sie muss man sich kümmern. Und der jetzige Ansatz ist falsch. Man kann von Gutscheinen beispielsweise keine Zeitungen kaufen, obwohl man das Recht auf Information hat.“
Sebastian, 19

„In einem Planspiel bekommst du eine Rolle zugewiesen – egal ob du die Meinung vertrittst oder nicht. Dann versuchst du andere Leute von deiner Meinung zu überzeugen. So lernst du auch andere Positionen kennen und erlebst selbst, aus eigener Erfahrung. Im Anschluss kannst du dann natürlich dagegen argumentieren.“
Sondra, 20

Kein Mensch ist illegal: Neusser Jugend fordert mehr Inklusion

Hass, Vorurteile und Gewalt: Flüchtlinge sind nicht immer willkommen. Und das birgt Konfliktpotenzial. Häufig nutzen rechtsextreme Organisationen Bedenken, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken beugt dem vor. In einem Jugendforum veranstaltet der Kreisverband Neuss ein Planspiel zum Thema Rechtsextremismus und Flüchtlingspolitik. Die Falken möchten nicht, dass Neuss zu einem Brennpunkt wird.

Und so wird Marc Vanderfuhr, Vorsitzender im Kreisverband Neuss, kurzerhand zum Fraktionsvorsitzenden der SPD im fiktiven Ort Klein-Schneehügel, der Flüchtlinge aufnehmen soll. Auch alle anderen teilnehmenden Jugendlichen bekommen während des Forums eine Rolle zugewiesen – egal, ob sie deren Position vertreten oder nicht. Drei Tage lang versetzen sie sich in die Lage der CDU, der Presse, einer Bürgerinitiative, einer rechtspopulistischen Partei, der autonomen Antifa oder in das Leben eines Flüchtlings.

Heike Zenk sieht in den Diskussionen eine Möglichkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Teilweise haben wir auch während des Rahmenprogramms über die Problematik von Rechtsextremismus gesprochen. Das ist ein Thema, das Jugendlichen unter den Nägeln brennt“, stellt die Bildungsreferentin fest. „Das Spiel hat eine gewisse Eigendynamik. Natürlich haben die Jugendlichen dann Gesprächsbedarf.“ So erkannten sie Strategien rechtsextremer Parteien und wie aus der Presse ein käufliches Medium werden kann.

„Es war spannend zu sehen, wie sich alles entwickelt. Als Einzelperson hast du keine Chance mehr, etwas zu bewegen. Es mussten Strategien entwickelt werden. Teilweise fehlte aber Hintergrundwissen“, stellt Marc fest. Es sei schwer, Gesetze zu erklären und Sprache herunterzubrechen. „Wie erklärt man Residenzpflicht?“, fragt der 27-Jährige. Auch wenn es kleinere Hürden gibt, die Jugendlichen wissen genau, was sie wollen und was nicht.

Und Hans-Willi Körfges, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in NRW und Mitglied im Präsidium der SPD in NRW, ist daran interessiert. Er möchte wissen, was die Neusser Jugend bewegt. Die lässt sich nicht zweimal bitten.

Inklusion statt Integration!

Die Jugendlichen aus Neuss fordern, dass Flüchtlinge und Migranten nicht nur integriert werden. Inklusion ist ihr Stichwort. Alle sollten ohne Vorurteile und offen aufeinander zu gehen. Doch die Teilnehmenden wollen noch viel mehr. Sprache müsse sich ändern. So müsse Inklusion unabhängig von Hautfarbe oder Handicap gedacht werden. „Sprache ist einer der schwersten Prozesse. Dort etwas zu ändern, braucht lange“, stellt Karsten fest. Um rechtsextremes Gedankengut aus den Köpfen zu bekommen, ist für die Jugendlichen die Bildung in der Pflicht. Bildungsoffensiven könnten helfen, aufzuklären und zu verhindern. In Neuss sieht man vor allem in Jugendverbänden eine große Chance. Daher fordern die Teilnehmenden mehr Geld und Unterstützung für demokratische Jugendverbände.

Weiterhin fordern sie mehr Transparenz und Aufklärung. Flüchtlinge und Migranten sollen individuell unterstützt und beraten werden. Darüber hinaus sollen bessere Wohnmöglichkeiten geschaffen und die Residenzpflicht aufgehoben werden.
Körfges notiert ihre Forderungen. Sie alle will er aufgreifen: „Ich werde das mit in den Landtag nehmen“. Das hätten die Teilnehmenden nicht gedacht. Anfängliche Skepsis, dass ihre Forderungen nichts bringen würden, haben sie beiseitegeschoben. Das Geschehen während des Forums hat sie beeindruckt.

Bilder:

Aus Neuss berichteten:

Christina Heuschen und Stella Kluge

TERMIN JUGENDFORUM

22. - 24. November 2013

ORT

Silvias Gästehaus
Rheinstr. 25
41749 Viersen

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Veranstalter

SJD – Die Falken
KV Neuss

Platz der Republik 11
41515 Grevenbroich

Tel.: 02181–211479
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